Mucha – Das slawische Epos


Diese Ausstellung endete am 31. Dezember 2016

Foto: Kountouroyanis
Muchas „Das slawische Epos“ zeigt überlebensgroße Bilder (Foto: KK)

Es ist wohl sein bedeutendstes Werk, wenngleich in Deutschland auch nicht sein bekanntestes. Gemeint ist „Das slawische Epos“ von Alfons Mucha. Mucha, geboren am 24. Juli 1868 im kleinen mährischen Städtchen Eibenschütz, heute Ivančice, hat nach seinem Schulabschluss zunächst als Bürokaufmann gearbeitet. Früh entwickelte sich bei ihm eine künstlerische Neigung, doch erst nachdem es ihm gelang bei Kautsky-Brioschi-Burghart einen Auftrag für die Bühnenmalerei zu erlangen, konnte er von seinem Talent Gebrauch machen. Schnell arbeitete er sich in die Malerei mit viel Engagement autodidaktisch ein. Es folgten weitere Aufträge. Erst später, unterstützt durch die Familie Khuen-Belasi, studierte er von 1885 bis 1887 an der Akademie der Bildenden Künste in München.

Muchas Jugendzeit im Paris des Jugendstils
1889 sollte in Paris die Weltausstellung stattfinden. Mucha beschloss kurzerhand nach Paris zu ziehen. Er gehörte nun zur Pariser Bohème und wurde zu einem der begehrtesten Plakatkünstler der sog. „Belle Époque“. Mucha entwarf Bilder, wie die heute bekannte La Dame aux camélias (1896). Seine Film- und Werbeplakate waren so begehrt,  dass man sie nachts von den Litfasssäulen schnitt. Mucha rauschte mit seinem künstlischen Stil direkt in die große Zeit der Art-Nouveau und des Jugendstils rein.

Muchas Lebenswerk – Das slawische Epos in der Nationalgalerie Prag
1918, nach dem ersten Weltkrieg, war alles vorbei. Ernüchterung machte sich in Europa breit. Das ungarisch-österreichische Kaiserreich war zusammengebrochen, Böhmen und Mähren gehörten nun zur ersten tschechoslowakischen Republik unter dem ersten und von den Tschechen bis heute geliebten Präsidenten Tomáš Garrigue Masaryk. Doch die Zeit des Jugendstils war vorbei. Mucha, mittlerweile in die 50er gealtert, wollte noch ein großes Werk vollenden und es sollte sein wohl bedeutendstes werden. Im Auftrag des slawophilen US-amerikanischen Milliardärs Richard Crane schuf Mucha auf Schloss Zbiroh in Südböhmen in 18 Jahren einen Zyklus von 20 monumentalen Gemälden. Es handelte sich um „Das slawische Epos“, ein monumentales Epos über die Geschichte der slawischen Völker.

Streit um einen neuen Standort nach 2016
Die Wohn- und Arbeitsstelle auf dem Schloss war mit bedacht gewählt, denn die Bilder wurden so riesig, dass ein normaler Raum dafür nie ausgereicht hätte. Ab 1928 wurden die Bilder im Prager Messepalast ausgestellt, doch nach dem Einmarsch der deutschen Truppen 1939 waren die Bilder nicht mehr zugänglich. Mucha wurde von interniert und starb an den Folgen einer Lungenentzündung. Erst ab 1963 waren die Bilder auf Schloss Moravský Krumlov wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Vor einigen Jahren wurde der Zyklus in die Prager Nationalgalerie im Stadtteil Holešovice verlegt. Doch die Ausstellung läuft nur noch bis zum 31. Dezember 2016. Danach sollen die Bilder an ein Museum in Japan verliehen werden. Wie es danach weitergeht, ist unklar. Die Erben sind von der „Bilderreise“ nach Japan gar nicht begeistert. Sie fürchten, dass die Bilder dabei Schaden nehmen oder verloren gehen könnten. Der Streit um einen neuen Standort momentan voll im Gange. Das interessierte Publikum sollte aber auf jeden Fall dieses Jahr noch die Chance nutzen, und die Ausstellung in der Prager Nationalgalerie, Straßenbahnlinie: 12, 17 und 24, Haltestelle: „Veletržní palác“, noch dieses Jahr besuchen. Das Begleitmaterial, das von der Galerie angeboten wird, ist auf Englisch und Tschechisch. Informationen über die Bilder können aber dem Internet entnomen werden. Für die Ausstellung sollte man sich ca. 2 Stunden Zeit nehmen.

Das Mucha-Museum in der Panská
An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass die Nationalgalerie in keinem Zusammenhang mit dem Mucha-Museum im Prager Zentrum steht. Das Mucha-Museum befindet sich in einer Parallelgasse zwischen Wenzelsplatz und dem Platz der Republik. Es ist in der Panská 7 (Herrengasse). Es ist eine kommerzielle Touristenattraktion. Man kann dort zwar nicht das Slawische Epos sehen, dazu wären die Räumlichkeiten ohnehin zu klein, aber viele Nachdrucke der berühmten Mucha-Plakate aus seiner Pariser Zeit für das heimische Wohnzimmer kaufen. Auch Tassen, Teller, T-Shirts oder Buchumschläge werden dort mit Mucha-Drucken angeboten.

Prag, 23.08.2016
Konstantin Kountouroyanis
(Literaturwissenschaftler und Kulturjournalist)